Humanistische Gemeinschaft Neu‑Isenburg

Humanismus


Was wir darunter verstehen

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Essay: Moral kontra Ethik

Vorwort:
Es geht in diesem Essay nicht um die Moral im Sinne eines gesellschaftsverträglichen, nach innen gerichteten, wohlwollenden Kooperationsverhaltens, sondern um das vorverurteilende, also moralisierende Unterscheiden in Gut und Böse. Ein Moralisieren, das die Verteidiger eigener Werte verwenden, um die Werte anderer gezielt zu diffamieren.


Wenn wir im Alltag miteinander reden und es dabei um die Bewertung menschlichen Verhaltens geht, fällt ganz schnell das Wort »Moral«, deutlich seltener das Wort »Ethik«. Bei aufmerksamem Zuhören kann man bemerken, dass diese beiden Begriffe völlig undifferenziert verwendet, ja sogar verwechselt werden, so, als ob sie die gleiche Bedeutung hätten. Dieses Sprechverhalten zeigt fehlendes Wissen bezüglich der eigentlichen Bedeutung dieser beiden Begriffe.

Dabei ist alles ganz einfach:

1. Moral bedeutet im Kern die Unterscheidung in Gut und Böse!

Das Problem ist nur, dass »Das Gute« und »Das Böse« nicht existiert. Die Realität ist hierzu - empirisch klar erkennbar - indifferent, was darauf hindeutet, dass diese Unterscheidung erst einmal eine kulturelle Erfindung von uns Menschen ist. Haben Sie schon einmal erlebt, dass jemand sagt: „Ich bin der Böse und der andere ist der Gute.“? Diese Unterscheidung grenzt die angeblich »Bösen« aus, die ja immer nur die anderen sind, stigmatisiert die Menschen und schafft Feindbilder. Mit solchem Denken wird jede Empathie, jeder Skrupel und jedes faire Verhalten dem oder den Anderen gegenüber unterdrückt und die Gewaltbereitschaft steigt. Der Moralbegriff ist deshalb ein relativierender Begriff, der immer auf egoistischer Befangenheit und irrationaler Willkür beruht.

2. Ethik bezeichnet im Kern die Unterscheidung in faires oder unfaires Verhalten anderen gegenüber!

Nicht nur wir Menschen, selbst Tiere, haben ein untrügliches Empfinden dafür, ob wir fair oder unfair behandelt werden. Insofern ist Ethik gegenüber der Moral bzw. des Moralisierens ein absolutierbarer Begriff. Nur wer andere fair behandelt, kann Wohlwollen erwarten. Fair behandelte Menschen sind glücklich, wenn sie dieses wertschätzende und respektierende Verhalten erfahren dürfen. Im Grunde ist die Ethik somit die unabdingbare Voraussetzung für den erlebbaren Respekt bzw. die notwendige Grundlage zum Respekt-Begriff überhaupt. Die Moral bzw. das Moralisieren erzeugt genau das gegenteilige Klima.

Mit anderen Worten:
Moralisieren schafft allzu leicht Feindbilder und ist somit eine Ursache von Konflikten. Moral ist demnach ein relativer Begriff, der immer dann verwendet wird, wenn sich die Menschen selbst oder in ihrer Gruppe als »die Guten« bezeichnen. Und um es klar zu sagen: Jeder in diesem Sinne sich abgrenzende, weltanschauliche oder ideologische Gruppismus, also nicht nur die fundamentalen Anhänger des radikalen Islamismus, des Christentums und anderer Religionen, auch die Vertreter politischer Ideologien, sind grundsätzlich von sich selbst überzeugt, die Guten zu sein und leiten oft genug davon jede inhumanen Aktionen gegen die andersdenkenden »Bösen« als »das Böse an-und-für-sich« ab.

Fazit:
Moralisierendes Verhalten ist grundsätzlich getragen von Respektlosigkeit und fehlender Wertschätzung, von Egoismus und egozentrischer Einstellung, sowie vom Verbot freien und selbstbestimmten Denkens, und ist insofern abzulehnen. Der Vorwurf eines »unmoralischen« Verhaltens ist demnach nur der Versuch die Mitglieder einer Gruppe auf das in dieser Gruppe vorherrschende und definierte Denkmuster- und Verhaltenskorsett einzuschwören. Das aber ist ein eindeutiges Indiz für das Verbieten freien Denkens, wie wir es gerade im Islam, aber auch in allen andern Religionen und politischen Ideologien wiederfinden.

Deshalb:
Wir müssen anfangen mehrheitlich in ethischen Kategorien zu fühlen, zu denken, zu handeln und zu kommunizieren, denn: Moralisierendes Verhalten ist das Gegenteil von Humanismus bzw. von humanistisch geprägtem Verhalten!